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HAMBURG/Opera piccola: „Räuber Hotzenplotz“ von Andreas N. Tarkmann: Märchenhafte Jugendoper
(…) Gespielt wird in diesem Jahr die 2009 als Auftragswerk in Aachen uraufgeführte Jugendoper „Räuber Hotzenplotz“ des vielseitigen Musikers Andreas N. Tarkmann (56).  (…)Für die Hamburger Aufführungen wurde das Musikwerk um gesprochene Dialoge und Chöre erweitert. Inszeniert wurde sie von der vielseitigen und international renommierten Nicola Panzer.
Den Verantwortlichen der Reihe „Opera Piccola“ geht es darum, junge Menschen an die Oper heranzuführen. Bis auf die Rolle des Zauberers Petrosilius Zwackelmann – Chris Lysik, ein Mitglied des Internationalen Opernstudios – sind  alle Darsteller Kinder und Jugendliche. Die alternierenden Darsteller des Räubers Hotzenplotz Aramiris Scherer und Jakob Eitner – sind mit 20 und 17 Jahren die ältesten Mitwirkenden  insgesamt wuseln um die zwei Dutzend Mitwirkenden in zwei Gruppen unter der musikalischen Leitung von Benjamin Gordon durch das bunte Bühnenbild von IngridIrene von Wildenrath und in den Kostümen von Kirsten Fischer. Hinzu kommt die recht ungewöhnlich besetzte Combo, von der der Komponist sagt, sie habe Ähnlichkeit mit einer bayerischen Blaskapelle.  Und alle machen ihre Sache großartig – sowohl gesanglich wie darstellerisch.  Horst Schinzel

Godot – das Hamburger Theatermagazin – Hotzenplotz (Aramis Merlin Scherer) steckt im Vogelkäfig und kann nun keine Dummheiten mehr anstellen.
Gedanklich würde man Otfried Preußlers Kasperlgeschichte „Der Räuber Hotzenplotz“ wohl eher mit zünftiger Volksmusik verbinden als mit der Opernbühne. Umso neugieriger macht die Aufführung von Andreas N. Tarkmanns Kinderoper im Rahmen der Reihe „Opera piccola“. Tatsächlich verzichtet der Komponist ganz auf den Einsatz von Streichern und gibt durch sparsame Instrumentierung den Kinderstimmen viel Raum.
Als Wachtmeister Dimpfelmoser (Johanna Fuhlendorf) sich in der Opera stabile mit seinen Polizeigehilfen zum Begrüßungschor formiert, begleitet zuerst nur das Akkordeon (Lin Leonie Xiaoning), bevor die Tuba (Hatim Schepler) mit ihrem Wechselbass den Ton angibt. Obwohl sich das von Benjamin Gordon geleitete achtköpfige Orchester – wie die Darsteller-riege größtenteils mit Schülern besetzt – dezente Anklänge an bayerische Bierzeltmusik gestattet, ist Tarkmanns Partitur anspruchsvoll und vielgestaltig. Sie überrascht – ohne die Sänger ab 9 Jahren zu überfordern – immer wieder mit außerordentlich starken Momenten.
Geradezu ans Herz geht das Duett zwischen Kalsperl (beeindruckend in Spiel und Gesang: die 13-jährige Sina Irmak) und Seppel (Paolo Möller), die vom Räuber Hotzenplotz (Jacob Eitner) entführt und danach getrennt werden. Während Kasperl in der Höhle des Räubers Stiefel poliert, schält Seppel im Schoss des bösen Zauberers Petrosilius Zwackelmann (Chris Lysack) Kartoffeln. Über den breiten Bühnensteg hinweg klagen die beiden Kinder ihr Leid und finden so – zumindest in Gedanken und musikalisch überaus anrührend – wieder zusammen. Ebenso ergreifend der Moment, in dem Kasperl die Klagerufe der verzauberten Fee Amaryllis (Luise Maria Schmidt) aus dem Schlosskeller vernimmt. Zwischen dem Jammern der Unke, Kasperls ängstlichen Kommentaren und den furchterregenden Warnungen des soeben an einem Seil über der Bühne entschwebten Zauberers entspannt sich eine Situation von hoher musikalischer Dramatik.
Dabei lebt Nicola Panzers Inszenierung von witzigen Einfällen und viel Liebe zu den Figuren. Wachtmeister Dimpfelmoser erledigt seine Amtsgeschäfte auf einem gestützten Einrad. Die kräftigen Niesanfälle des Räubers wirbeln im Orchester alle Notenblätter durcheinander und die Fische, die Kasperl und Seppel aus dem See angeln, sind das eigentliche Kasperltheater in diesem Stück: Handpuppen, die hinter dem Bühnensteg nach der Angel schnappen. Das Bühnenbild (Ingrid Irene von Wildenradt) begeistert mit Liebe zum Detail und manch unver-mutetem Versteck, aus dem plötzlich Menschen und Dinge zum Vorschein kommen. Und die Kostüme von Kirsten Fischer – etwa für die von Zwackelmann in Tiere verzauberten Kinder – sind ein Augenschmaus für sich. Eine Kinderopernaufführung mit Vorbildcharakter! Sören Ingwersen

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